Der Orca

Der Orca (Orcinus orca von lat. orcus „Unterwelt“) oder Große Schwertwal (in Abgrenzung zum Kleinen Schwertwal) ist eine auch unter Namen wie „Killerwal“ und „Mörderwal“ bekannte Art der Wale. Er gehört zur Familie der Delfine (Delphinidae). Neuste Erkenntnisse[1] durch DNA-Untersuchungen lassen den Schluss zu, dass es drei oder mehr verschiedene Unterarten gibt, die sich genetisch unterscheiden.

 

 

Der Orca kann bis zu 15 Minuten lang tauchen und schwimmt bis zu 55 km/h schnell, er ist damit das schnellste bekannte Meeressäugetier. Seine Wandergeschwindigkeit beträgt 5 km/h. Ein weiblicher Orca wird im Durchschnitt etwa 50 Jahre alt, kann aber auch ein Alter von 80 oder mehr Jahren erreichen. Männchen haben eine geringere Lebenserwartung von etwa 30 Jahren, es sind aber auch Fälle von über 50 Jahre alten Walbullen bekannt.

Die Orcas leben in Schulen, die von einem älteren Weibchen angeführt werden. Die Jungen bleiben ein Leben lang bei ihrer Familie, sowohl die Männchen als auch die Weibchen. Diese Form des Matriarchats wurde früher nicht erkannt, als man analog zu anderen Raubtieren von dominanten Bullen mit Harems ausging. Erst die intensive Forschung in der Wildnis seit Mitte der 1970er führte zu einer Korrektur dieses Bildes.

Nach Erreichen der Geschlechtsreife kalbt der weibliche Orca etwa alle vier bis fünf Jahre nach einer Tragzeit von etwa 15 bis 16 Monaten. Nach Beobachtungen von Jerome Siegel et al. der University of California in Los Angeles an in Gefangenschaft lebenden Tieren schläft das Muttertier nach der Geburt zwei Wochen lang fast überhaupt nicht. Das Kalb bleibt in dieser Zeit ebenfalls ununterbrochen wach, doch dieser Schlafmangel schwächt es nicht, es nimmt im Gegenteil an Gewicht zu. Anschließend stellen sich bei der Mutter und ihrem Kalb kurze Schlafphasen ein, und das Muttertier erreicht erst nach 22 Wochen die normale Schlafdauer. Ein Jungtier wiegt bei der Geburt etwa 160 Kilogramm.

Nahrung

Die Nahrung der Orcas ist sehr umfangreich und breit gefächert. Sie besteht zumeist aus:

  • Fischen (wie Heringe und Sardinen aber auch Thunfisch, Lachs, Stachelrochen, Dorsch usw.)
  • Pinguinen
  • Robben (wie Seelöwen, Walrosse, Seebären, Mähnenrobben usw.)
  • Seevögeln
  • Kalmaren
  • Anderen Walen und Delfinen (Grauwalen, Buckelwalen, Schweinswalen, Großen Tümmlern, Entenwalen, Pottwalen usw.)

Orcas und Menschen

Gefährlichkeit

Größenvergleich mit einem Taucher

Namen wie „Killerwal“ oder „Mörderwal“ zeigen, dass menschliche Beobachter lange Zeit keine hohe Meinung von diesen Walen hatten. Beobachtungen von – aus menschlicher Sicht – brutalen Angriffen auf Delfine, Seehunde und Pinguine haben zu diesem Namen geführt. In der freien Wildbahn ist allerdings nicht ein einziger Fall eines Orca-Angriffs auf Menschen dokumentiert. Der US-amerikanische Film Free Willy mit dem darin vorkommenden Orca Keiko und die Entdeckung des Orcas durch die Plüschtier-Industrie haben ihm in jüngerer Zeit das Image eines liebevollen Menschenfreundes verliehen. Die Wahrheit liegt wohl zwischen den beiden Extremen.[5]

In Freizeitparks gab es dagegen schon mehrere tödliche Zwischenfällen mit Orcas. So tötete der Orca Tilikum im Februar 2010 eine Trainerin bei den Vorbereitungen zu einer Orca-Show im SeaWorld Orlando.[6]

Waljagd

Orcas waren so gut wie nie ein Ziel des kommerziellen Walfangs. Lediglich die Sowjetunion jagte in den 1960ern Orcas als Futter für Pelztierfarmen. Allerdings sah man in ihnen oft eine lästige Konkurrenz der Fischer. In den 1950ern bat die isländische Regierung die USA um Hilfe bei der Ausrottung des Orcas in isländischen Gewässern. Die darauf folgende von Flugzeugen gestützte Operation wurde damals als großer Erfolg angesehen.

Showtiere

Ein Orca in Sea World

Seit Mitte der 1960er Jahre werden Orcas in Delfinarien oder Meeres-Themenparks vorgeführt. Hierzu wurden bis dato mehr als 200 Orcas gefangen. Seit Mitte der 1980er wird der Bedarf für die Delfinarien verstärkt über eigene Nachzucht gedeckt. Kritiker bemängeln, dass es in der Enge eines künstlichen Beckens einem Wal nicht möglich ist, artgerechte Bedingungen vorzufinden. Tatsächlich leiden fast alle gefangenen Orcas unter Krankheiten. In Delfinarien kam es auch schon vereinzelt zu Aggressionen gegenüber Menschen. Bei den beiden Vorfällen mit Todesfolge handelt es sich aber nach übereinstimmender Meinung der Experten um Unfälle und nicht um absichtliche Tötungen.

Das dauerhafte Umknicken der Rückenflosse, in freier Natur eine selten beobachtete Erscheinung, widerfährt vielen in Gefangenschaft gehaltenen Orcas. Bei der Rückenflosse handelt es sich um reines Zellgewebe, das nicht knochengestützt ist. Durch das gegenüber der Wildnis viel häufigere Verharren oder kreisförmige Schwimmen an der Wasseroberfläche ist die Rückenflosse vermehrt der Schwerkraft und höheren Temperaturen ausgesetzt. Dadurch verliert das Zellgewebe insbesondere bei den größeren Rückenflossen der Männchen mit fortschreitendem Wachstum an Stabilität. Aber auch bei Weibchen kommt dieses Umknicken vor.

 

 

 

 

Quelle: Wikipedia